Birgit Koch
Frau Koch, wie sehen Sie die Arbeitsmarktperspektiven für den Bereich „Clinical Research“?
Die Aussichten im Bereich der klinischen Forschung sind multipel und differenziert zu sehen. Wie in vielen anderen Gebieten auch, bestehen hier ebenso die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Entwicklung. Diese sind breit gefächert und nach vielen Seiten offen. Sobald man sich mit dem Thema der klinischen Forschung ein erstes Mal auseinandergesetzt hat eröffnen sich weitere interessante tiefer gehende oder weiterführende Tätigkeiten. Daher wird z.B. die aktuelle Prognose hinsichtlich einer
möglichen "Überschwemmung" innerhalb des Berufsbild des "Monitors' " meines Erachtens nicht erfüllt, da hier Schnittmengen in übergreifende Bereiche innerhalb der Forschungsprojekte eine sehr gute Weiterentwicklung ermöglichen.
Welche Fachkräfte mit welchen Qualifikationen werden benötigt?
Das betrifft eine relativ breite Palette. Aber im Bereich "Monitoring" z.B. bildet das Optimum ein medizinisches, oder auch ein naturwissenschaftliches Studium als Fundament für bestimmte Tätigkeiten plus erste Berufserfahrungen (ca. 1-2 Jahre und mehr). Auch Interessierte branchenfremde Anwärter auf Junioren-Stellen, allerdings aus ähnlichen bzw. verwandten Bereichen, sind bei einigen Arbeitgebern willkommen. Bei der Auswahl bilden viele Kriterien die Schnittmenge. Hier neben dem persönlichen Auftreten z.B. Expertise, Kompetenz, Know-How, Administration / Organisationstalent, Team-Geist, Führungsqualitäten, Durchsetzungsvermögen, Kommunikationsstärke, Fremdsprachen, Reisefreudigkeit, nicht zuletzt Kreativität und tatsächlich noch einiges mehr…
Sagen Sie doch bitte etwas zu den verschiedenen Einsatzfeldern! Und in welchen Organisationen kommen Sie zum Einsatz?
Einsatzfeld ist ein weiter Begriff. Die Tätigkeiten und Positionen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. Manchmal sogar so sehr, dass gleiche oder ähnliche Jobtitel völlig anders definiert werden, obwohl die Tätigkeiten übereinstimmen und eventuell nur um wenige Prozesse erweitert worden sind. Grundsätzlich hat es für die Unternehmen den meisten Charme, wenn neue Mitarbeiter im Bereich "Monitoring" von Grund auf im Unternehmen z.B. über das Co-Monitoring einsteigen.
Wie erkennen bzw. unterscheiden Sie geeignete von weniger geeigneten Kandidaten? Was sind die offensichtlichen Signale?
Signale des Durchsetzungsvermögens und der Zielstrebigkeit statt Zaghaftigkeit sind ein großer Faktor! Um hier adäquat zu antworten, wäre mehr Zeit notwendig. Kurz kann ich aber sagen, dass es auch in diesem Beruf entscheidend ist, ob jemand längere Zeit "On-Site" also "an der Front" tätig gewesen ist, so dass er das notwendige Know-How hat, um "Workflows" also die Arbeitsabläufe nachvollziehen und somit intern handeln/managen zu können. Die Äußerungen zur Berufserfahrung gehören mit zum "A" und "O".
Wie beurteilen Sie die Qualifizierungsangebote, besonders im Hinblick auf Anzahl und Praxisrelevanz?
Die Angebote für Qualifizierungen sind gut und auch praxisrelevant. Woran es allerdings mangelt ist die Unterstützung bzw. Förderung im Anschluss daran. Ein dreimonatiges Praktikum für den Bereich "Monitoring" wird zwar positiv aufgenommen, aber relevant ist die Berufserfahrung von mindestens 1-2 Jahren z.B. als "Trainee on the Job" o.ä. Diese wird häufig nicht gewährt, ohne dass die Kandidaten bis zu 6 Monate auf eine adäquate Honorierung verzichten. Tragbar ist dies nicht, zudem ist es für einen Anfänger in diesem Bereich frustrierend, wenn z.B. nach erfolgreicher Promotion, Weiterbildung und Praktikum immer noch "kein Land in Sicht ist" und weitere Voraussetzungen kundgetan werden, z.B. relevante Richtlinien wie "GCP" und "ICH" in gesonderten Kursen zu erlernen.
Wie helfen Sie den Unternehmen, geeignete Kandidaten zu bekommen?
Durch langjähriges Know-How im Bereich klinischer Forschung, Human Resources und den nötigen Kontakten und Netzwerken um die Unternehmen
mit geeignetem Personal zu versorgen.
Welche Perspektiven bieten sich ambitionierten Kandidaten?
Enthusiastische Persönlichkeiten in diesem Fachbereich erkennen schnell, wo sie Ihre Fertig- und Fähigkeiten vertiefen oder erweitern können. Hat jemand stark ausgeprägte Führungskompetenz wird ihn z.B. das Profil des "Lead CRA" interessieren, oder das eines Projektmanagers. Bei verstärkter Reisefreudigkeit wird eventuell das "Monitoring" innerhalb internationaler Studien bevorzugt.
Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Wird genügend getan, die beruflichen Möglichkeiten im Bereich „Pharma / Clinical Research“ schon recht früh aufzuzeigen? Dabei geht es ja auch um Image-Bildung für die Pharmaindustrie.
Ob genügend getan wird, obliegt in der Praxis der Wachstums-Dynamik des Kandidaten und der jeweiligen Unternehmensphilosophie. Pauschal kann man das nicht sagen. Seitens diverser Institutionen gibt es hier und da Weiterbildungsseminare, Workshops, Kongresse, etc. Wobei in diesen Jobprofilen vorrangig tatsächlich "der Weg beim Gehen entsteht". (b)expertise jedenfalls garantiert die kontinuierliche Weiterbildung seiner
Mitarbeiter/-innen auf höchstem Niveau.
Das Interview führte Michael Quaas.