Arbeitsmarkt Gesundheitswesen

  

Neue Aufgabenverteilung unter den Gesundheitsberufen

Eine neue Aufgabenverteilung unter den Gesundheitsberufen
wird Thema einer Anhörung sein, die der „Sachverständigenrat zur
Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ veranstaltet. Geladen sind elf Berufsverbände, darunter für die Pflege der Deutsche Pflegerat, sowie Vertreter der Ärzteschaft, der Apotheker und anderer Gesundheitsberufe. Die Erkenntnisse aus der Anhörung werden in das Gutachten des Sachverständigenrates einfließen, das im Mai
nächsten Jahres vorgelegt werden soll.

„Bei den Gesundheitsberufen hat sich sehr viel geändert, ein Beispiel ist
die Akademisierung der Pflege“, so Professor Adelheid Kuhlmey, Mitglied
des Sachverständigenrates auf Anfrage von FORUM SOZIALSTATION. „Wir wollen
überprüfen, ob die bisherige Arbeitsteilung zwischen den Berufen noch
zeitgemäß ist. Es stellt sich die Frage, ob jede Profession auch wirklich
in dem Aufgabenfeld tätig ist, für das sie am besten ausgebildet ist.“
Möglicherweise müsse es hier zu neuen Zuschnitten der Aufgabenbereiche
kommen.

Dies könne aber nur in kleinen Schritten erfolgen, dämpfte Kuhlmey: „Das
ist kein Thema für eine Gesundheitsreform, die sich nur mit dem SGB V
beschäftigt. Wenn die Aufgaben der Gesundheitsberufe neu verteilt werden
sollen, müssen wir auch an die Bereiche Haftpflicht, Berufsrecht und
Ausbildung. Das wird ein langwieriger Prozess.“

Dass die Ansichten der einzelnen Berufsverbände über ihre
Zuständigkeitsbereiche teilweise deutlich auseinandergehen, wurde in
jüngster Zeit immer wieder deutlich: So forderte die
Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen (BALK) kürzlich eine
stärkere  Einbeziehung der sektorenübergreifenden Pflege in das
Sozialversicherungsrecht. Pflegende erbrächten zwar professionelle
Leistungsanteile, seien aber nicht als sozialversicherungsrechtlich
selbstständige Leistungserbringer anerkannt, monierte die BALK.

Auch der Deutsche Pflegerat (DPR) macht sich seit geraumer Zeit für eine
Aufwertung des Pflegeberufs stark. Bei der Vorbeugung und Wundversorgung
seien die Pflegenden den Ärzten beispielsweise voraus, so DPR-Präsidentin
Marie-Luise Müller.
siehe auch http://www.forumsozialstation.de/indices/index_ah_standp.htm

In den Bereichen Wundversorgung, Ernährungstherapie oder Sturzvorbeugung
könnten Pflegekräfte Hilfsmittel, Verbandsmaterial und Gehhilfen auch
selbst verordnen. Müller plädierte in diesem Zusammenhang für die
Einrichtung von Pflegepraxen – was von den Ärzteverbänden entrüstet
zurückgewiesen wurde. Doch auch der Verband medizinischer Fachberufe (VmF,
ehemals Arzthelferinnen-Verband) will neue Claims einschlagen: So sollen
Medizinische Fachangestellte künftig auch Aufgaben im pflegerischen
Bereich übernehmen. Zurzeit erarbeitet der VmF gemeinsam mit dem Deutschen
Hausärzteverband ein Curriculum für die Fortbildung zur medizinischen
Assistentin.

Quelle: © NEWSLETTER FORUM SOZIALSTATION vom 17. August 2006


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