Hoher Qualifizierungsbedarf im Gesundheitswesen
Die Ursachen für die Transformationsprozesse im Gesundheitswesen, die es spätestens seit Mitte der 80er Jahre zu einem gesellschaftlich dominanten Thema gemacht haben, sind vielfältig. Sie liegen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gesundheitssystems:
- Wandel im Krankheitspanorama (Verlagerung von Infektionskrankheiten auf chronisch-degenerative Zivilisationskrankheiten)
- Demographische Entwicklung (Veränderungen in der Altersstruktur)
- Veränderungen in den Ursachen von Morbidität und Mortalität
- Medizin- und computertechnischer Fortschritt
- Zunehmende Ablösung der vorwiegend krankheits- bzw. störungsorientierten Erklärungsansätze der Medizin zugunsten einer interdisziplinären Theorie von Gesundheit (die körperliche, seelische, soziale und ökologische Aspekte gleichermaßen einbezieht)
- Herausbildung und zunehmende Anerkennung von Laienkompetenz
- Akzentverschiebungen in der Gesundheitspolitik, die durch den ökonomischen Problemdruck bei abnehmenden Finanzierungsmöglichkeiten erzeugt werden
- Wachsende Bedeutung eines Gesundheitsmarktes als volks- und betriebswirtschaftlicher Faktor.
Die Entwicklungen erfordern weitreichende
Neubestimmungen tradierter Berufsrollen und Funktionszuweisungen. Sie konfrontieren die Gesundheitsberufe mit neuen Anforderungsprofilen und Aufgaben und verlangen nach Professionals neuen Zuschnitts, die im Bereich der Prävention, der Gesundheitsförderung, der Gesundheitsberatung, der Rehabilitation und dem Aufbau und Betrieb von Gesundheitsmanagementsystemen in Einrichtungen des Gesundheitswesens tätig werden.
Um diesen Qualifikationsanforderungen in angemessener Weise zu entsprechen, sind auch auf der Ebene der Hochschulen Veränderungen in den gesundheitsbezogenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten notwendig, die sich am Praxisbedarf auf den verschiedenen Gebieten und Arbeitsfeldern im Gesundheitswesen orientieren.
Dr. Karl Kälble: "Qualifizierungsoffensive im Gesundheitswesen",
in "Wege ins Management des Gesundheits- und Sozialwesens", Quaas-Verlag, Frankfurt/M. 2004